Anuta Sakheim

Anuta Sakheim,

 

geborene Plotkin, wurde am 15. Februar 1896 in Lodz in Polen geboren. Nach dem frühen Tod beider Eltern wurde sie von der ledigen Schwester ihrer Mutter, Marie, einer Königsberger Zahnärztin, aufgenommen. Um 1920 zog Anuta zu Verwandten nach Hamburg und fand eine Stelle in einer Bank. Bei den Verwandten lernte sie ihren künftigen Mann, den 12 Jahre älteren Dramaturgen und Regisseur Arthur Sakheim kennen. Sie heirateten 1921, zwei Jahre danach wurde ihr Sohn Ruben geboren.

 

1926 zog die Familie nach Frankfurt, wo Arthur Sakheim als Dramaturg am Schauspielhaus zu arbeiten begann. Im Sommer 1931 erkrankte Arthur Sakheim an akuter Blinddarmentzündung, an der er wegen einer Fehldiagnose starb. Der Verlust ihres Mannes und Existenznöte stürzten Anuta Sakheim in eine tiefe seelische Krise und erforderten eine monatelange medizinische Behandlung. Später erhielt sie eine Stelle als Redaktionsassistentin im Berliner Ullstein-Verlag, doch die jüdischen Inhaber wurden bereits 1934 vertrieben, der Verlag arisiert und die jüdischen Mitarbeiter entlassen.

 

Angesichts des rasant wachsenden Antisemitismus entschloss sich Anuta Sakheim bereits im April

1933 zur Auswanderung. Ende Mai fuhren Mutter und Sohn auf der MS „Martha Washington“ von Triest nach Jaffa und weiter nach Tel Aviv. Ein neuer Existenzkampf begann in einem fremden Land, dessen Sprache sie nicht beherrschten.

 

Anuta beschloss, als Taxifahrerin und Reiseführerin ihren Lebensunterhalt zu verdienen und kaufte

von ihrem letzten Geld ein Taxi und eine Fahrerlizenz. Sie wurde die erste weibliche Taxifahrerin in

Palästina. Bald erkrankte schwer, hatte jedoch nicht die Mittel für eine vielleicht rettende Operation.

 

Zur gleichen Zeit kam aus Amerika der Vorschlag ihrer Schwägerin Jeanette Sakheim, Ruben zur Ausbildung nach New York kommen zu lassen. Am 15. April 1938, kurz vor seinem 15. Geburtstag, reiste Ruben Sakheim auf der SS „Conte di Savoia“ über Neapel und Genua nach New York.

 

Es war ein Abschied für immer. Vereinsamt und mittellos nahm sich Anuta Sakheim im August 1939 das Leben.

Ruben (Gerorge) Sakheim

sollte ein richtiger Amerikaner werden und erhielt den Namen George. Er wuchs in New York bei seiner Tante Jeanette heran. Nach einem Jahr College wurde er im März 1943 zum Wehrdienst einberufen. Im Juni 1944 nahm er an der Landung der Alliierten in der Normandie teil und durchquerte mit seiner Einheit Belgien und Westdeutschland, befreite das KZ Nordhausen und traf schließlich an der Elbe auf die Rote Armee.

 

Noch im Sommer 1945 wurde er, mehr zufällig, als Dolmetscher und Übersetzer bei den Nürnberger

Prozessen eingestellt. Er übersetzte schriftliche Dokumente, verhörte Nazi-Größen wie Göring, Höss und Kaltenbrunner und nahm an vielen Gerichtsverhandlungen teil, bis zum Ende des 1. Prozesses.

Die Kriegserlebnisse, die Entdeckung der Kriegsgreuel und die Konfrontation mit den Tätern bestärkten ihn in dem Wunsch, Psychologe zu werden.

 

Nach einem Studium an der Columbia University und einem Praktikum an dem Bellevue Hospital in New York war er zunächst in der Veterans Administration in Maine beschäftigt und schließlich als Forscher und Berater in Kliniken und Schulen für schwer erziehbare Kinder in New York City tätig, bis zu seiner Pensionierung 1990.

 

Er war Mitglied in der Ethical Society, einer Bürgerrechtsbewegung, und lebte bis zu seinem Tod in Gwynned in der Nähe von Philadelphia. Immer wieder war er als Zeitzeuge nach Deutschland eingeladen worden, so auch am 20. November 2015 anlässlich des 70 jährigen „Memoriam“ des Beginns der Nürnberger Prozesse im April 1946.

 

Gerorge Sakheim verstarb 96-jährig im Dezember 2019.

 

https://www.nytimes.com/2019/12/27/world/europe/george-sakheim-dead.html